„Es ist vollbracht“

18.04.2017 07:41 von Helmut Luichtl (Internetbeauftragter)

"Es ist vollbracht" - Kreuzigungsgruppe am Kolmstein eingeweiht.

„Im Kreuz ist Heil – Leben – Hoffnung“. Welcher Tag könnte also besser sein für eine Kreuzeinweihung wie der Karfreitag, an dem dieses christliche Hoffnungszeichen im Mittelpunkt der österlichen Liturgie steht? Mit einer beeindruckenden Bittprozession erfuhr die neue Kreuzigungsgruppe am Kolmstein ihre kirchliche Weihe. Seit längerem wurde festgestellt, dass die drei Holzkreuze am Kolmstein, welche sich unmittelbar am Parkplatz und Wanderweg befinden, überaus stark verwittert, angefault bzw. gesplittert und die Bemalung der Blechtafeln stark ausgeblichen ist. Eine Restaurierung schien deswegen unumgänglich.

Bei herrlichem, sonnigen Frühlingswetter fanden sich am Vormittag die Vereinsabordnungen der Gemeinde in ihren Uniformen bzw. Trachten bei der ersten Kreuzwegstation am Forstweg zum Kolmstein ein. Imposant lagen dort die stattlichen drei neuen Holzkreuze bereit. Eine Anzahl weiterer Mitbeter aus der Pfarrgemeinde hatte sich ebenfalls dem Geschehen angeschlossen. Nach einem einführenden Gebet von BGR Pfarrer Franz Weber schulterten mehrere männliche Mitglieder der drei Trachtenvereine die schweren Kreuzeshölzer aus Lärchenholz. Das Christus-Kreuz (5,5 Meter lang) trugen die „Stoarieda“ Ottenzell voran, gefolgt von den „Riedlstoana“ Arrach und „Tannenecker“ Haibühl (je 4,5 Meter). In sich gekehrt nahmen die Gläubigen die 14 Stationen des Leidensweges Jesu Christi steil ansteigend in Angriff. Bei den Stationen „Jesus begegnet seiner Mutter“, „Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz“, „Jesus wird seiner Kleider beraubt“ und „Jesus stirbt am Kreuz“ hielten Priester und Prozession betend inne. „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“

Oben angekommen legte man die Kreuze an ihrem Bestimmungsort ab. Die Bauhofmitarbeiter um Leiter Stephan Hutter hatten bereits im Vorfeld für passgenaue Halterungen gesorgt. Zusammen mit Bürgermeister Sepp Schmid wurden die für das jeweilige Kreuz vorgesehenen Blechtafeln (Jesus mit den beiden Schächern und Maria) mit Nägeln an den Kanthölzern befestigt. In der Zwischenzeit versammelten sich die Gläubigen zusammen mit Pfarrer Weber im Kircherl, um dort den Schmerzensreichen Rosenkranz zu beten.

Nachdem sich wieder alle heraußen eingefunden hatten, erfolgte die Aufstellung der drei Kreuze. Viele starke Männerhände waren notwendig, um die massiven Balken in die Vertikale zu bringen. Aber Dank der stimmigen Zusammenarbeit der Helfer war dies in überraschend kurzer Zeit geschehen. Ein paar letzte handwerkliche Tätigkeiten zur Befestigung der Kreuze in den Halterungen und es war vollbracht. Karfreitag sei der passendste Tag, um eine Kreuzigungsgruppe einzuweihen, meinte BGR Pfarrer Weber zum Beginn seiner Ansprache. „Was machen die Kreuze mit uns?“ Manche Menschen gehen daran nur achtlos vorbei, andere schauen sie an. Vielleicht denkt der eine oder andere an die Nöte, die ihm aufgeladen sind, oder an verstorbene Angehörige. „Auf alle Fälle reagieren wir auf diese Kreuze, wenn wir in ihre Nähe kommen.“ Früher war es sogar üblich, dass vor jedem Feldkreuz der Hut gezogen wurde. „Heute dürfen wir froh sein, wenn wir Kreuze ohne Proteste in öffentlichen Räumen wie Klassenzimmern oder Gerichtssälen aufstellen dürfen. Sie verschwinden mehr und mehr.“ Mit dem Kreuz habe es schon etwas Eigenartiges auf sich, so der Geistliche weiter. Er erinnerte an den Fernsehturm der ehemaligen DDR am Berliner Alexanderplatz. Wenn die nachmittägliche Sonne in einer bestimmten Stellung auf die Kuppel schien, sei plötzlich ein Kreuz erschienen. „Wir können das Kreuz aus unserem Leben nicht wegdiskutieren, nicht wegstreiten und wegreden. Es ist immer da, denn es ist das Zeichen, das dem Menschen in seinem Wesen her am nächsten kommt.“

Der Apostel Paulus schreibt: „Für die einen ist das Kreuz Torheit, für die anderen ein Ärgernis, ein Stein des Anstoßes.“ Schmähungen und Verächtlichmachung des Kreuzes habe es gegeben, seit es das Kreuz als Erkennungszeichen für Christen gibt. „Für uns Christen ist es das Zeichen des Heiles.“ Wer zum Kreuz aufschaue, dem werde immer wieder ein Stück Erleichterung zuteil für sein eigenes Kreuz. Vom Kreuz gehe eine Kraft aus, die für uns Menschen positiv wirken kann, wenn wir offen sind für diese Kraft und uns nicht verschließen. „Jesus lädt uns ein, täglich unser eigenes Kreuz auf uns zu nehmen. Wir dürfen nicht nur mit unseren großen Sorgen und Schicksalsschlägen zum Kreuz aufschauen, sondern auch mit den kleinen Dingen. Vom Kreuz geht die Kraft zur Errettung und Erlösung aus, das will uns diese Kreuzigungsgruppe sagen“, endete der Redner.

Anschließend erteilte BGR Pfarrer Weber bei einer kurzen Andacht der frisch restaurierten Kreuzigungsgruppe die kirchliche Weihe. Für eine würdevolle musikalische Umrahmung sorgte der Gemeinschaftskirchenchor Haibühl-Hohenwarth unter der Leitung von Ewald Pirtzl. Die folgenden Fürbitten galten den Menschen auf dem ganzen Erdkreis, der Kirche in allen Ländern, den Verzweifelten und Bedrückten und allen, die an diesem Kreuz vorübergehen. Ein gemeinsam gesprochenes Vaterunser bekräftigte diese Bittrufe. Der Priester dankte allen Prozessionsteilnehmern und besonders all jenen, die die Kreuzigungsgruppe finanziert haben.

Bürgermeister Sepp Schmid sprach von hervorragendem Tag, einem gelungenen Gemeinschaftsprojekt Kirche und Gemeinde. „Heute haben wir unseren Glauben ein bisschen erneuert, denn das Kreuz gehört bei uns im Wald herinnen einfach dazu.“ Er erinnerte an den desolaten Zustand der Kreuze, die eine Gefahr für die vorbeigehenden Wanderer darstellten. Seine Dankesworte richteten sich an die Kreuzträger und vor allem an die großzügigen Spender der Kreuze, Hermann und Anneliese Zapf. Hergestellt wurden die massiven 18-er-Kanthölzer von der Zimmerei Max Aschenbrenner („Gol“) aus Schrenkenthal, wobei das erforderliche Holz von Holz Falter aus Drachselsried stammt. Die Blechtafeln mit Jesus und den beiden Schächern erfuhren durch die begabte Haibühler Hobbymalerin Gerlinde Traurig eine kunstvolle Auffrischung. Nach Rücksprache mit Fachleuten wurden die Bildnisse erst gereinigt, grundiert und dann mit Lackfarbe (die Goldfarbe des Christus stammt vom Steinmetzbetrieb Stocker in Lam) aufgefrischt. Ein weiterer Dank ging an Josef und Marianne Huber aus Haibühl, die sich seit Jahren um den Erhalt der Kreuzwegstationen sorgen. Das vom „Kolmsteiner Hof“ angebotene Fisch- und Bratherings-Essen für die hungrigen Bittgeher wurde gut angenommen. (krp)

 

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