90 Jahre gelebtes Brauchtum und lebendige Tradition

17.06.2017 19:01 von Hans Menzinger

Das Brauchtum zu pflegen, das alte Kulturgut zu bewahren und die Bindung an die Heimat zu vertiefen: So lauten die Ziele des Arracher Trachtenvereins, denen sich jedes Mitglied – ob jetzt oder in den vergangenen Jahren - voll und ganz verschrieben hat. Zwei Tage lang hat der Heimat- und Volkstrachtenverein „D’Riedlstoana“ Arrach am vergangenen Wochenende sein 90-jähriges Bestehen gefeiert. An beiden Festtagen konnte der Veranstalter einen wahren Besucheransturm verzeichnen, dem er aber dank der guten Vorbereitung und der hervorragenden Zusammenarbeit der Vereinsmitglieder an Grill, Schenke und Service bestens Herr wurde. Höhepunkt der Feier war der Festgottesdienst bei der Dorfkapelle St. Leonhard, bei der auch die neu restaurierte Fahne und das neue Trauerband seinen kirchlichen Segen erhielt. Am Samstagabend waren vor allem die Ortsvereine, Gesamtbevölkerung und Feriengäste eingeladen in den festlich geschmückten Wirtsstadl zum „Riedlstoana-Fest“. Vorsitzender Thomas Brandl konnte dazu auch die beiden Bürgermeister Sepp Schmid und Stellvertreter Toni Münsterer willkommen heißen. Mit starken Abordnungen waren die Trachtenvereine aus Miltach, Bodenmais, Bayerisch Eisenstein, Schafberg, Ottenzell und Haibühl gekommen. Das gemütliche Ambiente des denkmalgeschützten Wirtsstadls verfehlte seine Wirkung nicht und bei der stimmungsvollen Musik des „Heimat-Echos“ (Max Schmidberger und Bepp Wendl) kam schnell Feierstimmung in der lauen Sommernacht auf.

Bei herrlichem weiß-blau-bayerischen Wetter wurde am Sonntag weitergefeiert. Schon am frühen Morgen fanden sich die umliegenden Trachtenvereine im Wirtsstadl ein. Die Ehre ihres Besuches gaben der Ehrenpatenverein Regentaler Grafenwiesen, der Patenverein D’Enzianbuam Lohberg sowie die Stoarieda Ottenzell, Wochtstoana Hohenwarth, D’Ossabuam Lam, D’Waldlerbuam Kötzting, Buchbergler Windischbergerdorf und Tannenecker Haibühl. Des Weiteren begrüßte Trachtler-Boss Thomas Brandl den Gauvorsitzenden Andreas Tax mit mehreren Vorstandschaftsmitgliedern, Altbürgermeister Albert Kieslinger, Schirmherr Kurt Vogl und die anwesenden Ehrenmitglieder. Der Kirchenzug, den die Festkapelle „Die Bayerisch-Böhmischen“ musikalisch begleiteten führte durch die Lamer Straße bis Einmündung Osserstraße und im Gegenzug wieder zurück zur Dorfkapelle St. Leonhard, wo man im Freien Gottesdienst feierte. Eine Bereicherung für die Messfeier war der Gesang des „Regental-Gsangls“ mit Begleiter Hermann Achatz (Zither) und Ernst Neumaier (Gitarre), die die Waldlermesse zum Vortrag brachten. Ein 90-jähriges Jubiläum könne nur ein aktiver, lebendiger Verein mit einer langen Tradition feiern, so BGR Pfarrer Franz Weber in seiner Ansprache. Wichtig für das Vereinsleben sei, dass die Beziehung der Mitglieder untereinander passt, er immer wieder neue Mitglieder gewinnen und halten kann, dass es auch Leute gibt, die das Ganze in die Hand nehmen und dass die Idee, die hinter einem Verein steht, die Menschen anspricht und überzeugen kann. „Tradition heißt Weitergabe und dazu gehören auch immer wieder Höhepunkte in Form von Festen“, so der Priester. Für die Lesungen ließen sich Hannah Schmid und Anna-Maria Eckl in die Pflicht nehmen, während Jugendleiterin Gunda Weber und ihre Schützlinge die Fürbitten in Mundart vortrugen. In neuem Glanz erstrahlte die umfassend restaurierte Fahne (Erstweihe am 19. Juli 1953) und das geschmackvolle Trauerband, getragen von Lena Aschenbrenner, als Pfarrer Weber die Segensworte sprach. Vorstand Thomas Brandl heftete das Trauerband an die Vereinsfahne, die Fahnenträger Andreas Ammon stolz trug. Danach formierte sich nochmals der Zug zur vereinseigenen Totenbrettergruppe. Brandl erinnerte an alle aktiven und passiven Mitglieder, die den Verein gegründet, zu Lebzeiten mit ihrer Tatkraft und ihrem Einsatz unterstützt und aufrechterhalten haben und stellte eine Blumenschale nieder. Pfarrer Weber sprach eine kurze Segensandacht, gefolgt von einem gemeinsamen Vaterunser. Während des gemeinsamen Mittagessens (Festküche Bernhard Fellner aus Furth i. Wald) dankte Gauvorsitzender Andreas Tax für die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Waldgau und wünschte weiterhin Zusammenhalt. „Brauchtum leben, weitergeben und dazu stehen“, sei die Maxime. Bürgermeister Sepp Schmid erinnerte an die Vereinsgründung vor 90 Jahren in der schlechten Nachkriegszeit, die den Leuten aber Halt und Werte gegeben hätte. „Ein Trachtenverein soll auch ein Anker sein in einer stürmischen, modernen Zeit.“ Schade fand er, dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr kein Maibaum in der Dorfmitte steht. Die Riedlstoana hätten hier bei der Brauchtumspflege Rückgrat bewiesen und dem „modischen Schnickschnack und modernen Firlefanz“, den sich ein Radiosender zu eigen gemacht hat, getrotzt. Mit einem finanziellen Obolus belohnte er die erfolgreiche Jugendarbeit im Verein.

Mit einem gemütlichen Beisammensein, aufgelockert durch einige Tänze der Kindertanzgruppe unter der Leitung von Gunda Weber und Katrin Aschenbrenner, klang das harmonische Fest aus und alle feierten noch fröhlich bis in den Nachmittag hinein. Als Andenken durften alle Vereine und Ehrengäste noch eine hochprozentige Erinnerungsgabe mit nach Hause nehmen. (krp)

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 1: Der Festverein mit Ehrengästen beim Kirchenzug.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 2: Der Jubelverein vor der vereinseigenen Totenbrettergruppe.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 3: Ein schmuckes Bild machte der Festverein beim Kirchenzug.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 4: Die hübsche Trägerin des Trauerbandes, Lena Aschenbrenner, mit ihren beiden Begleiterinnen.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 4: Das „Regental-Gsangl“ bereicherte den Festgottesdienst musikalisch.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 6 und 7: BGR Pfarrer Franz Weber erteilte der neu restaurierten Fahne den kirchlichen Segen.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 8: Vorsitzender Thomas Brandl heftete das neue Trauerband an die Fahne.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 9: Auch die Toten sollen nicht vergessen sein – Totengedenken bei der vereinseigenen Totenbrettergruppe.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 10: Der Riedlstoana-Nachwuchs erfreute mit mehreren Tänzen.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 11: In Reih und Glied: der Festverein war bester Stimmung.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-90-jähriges Jubiläum 12: Beim Gegenzug (angeführt vom ehemaligen Vorsitzenden Hubert Klingseisen) konnten sich alle Vereine begrüßen.

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