Sein Trachtlerherz schlägt nicht mehr

03.07.2018 20:35 von Hans Menzinger

Den Trauergästen in der vollen Pfarrkirche ging es sehr zu Herzen, dass sie von Wolfgang Brandl Abschied nehmen mussten. „Wir sind beisammen, um für sein Leben und Wirken in unserer Mitte zu danken und für ihn die Freude des Himmels zu erbitten“, so Pfarrer Ambros Trummer in seiner Einführung zum Requiem, bei dem selbst die Ministranten das Trachtengewand trugen.

Eigentlich hätten die Schicksalsschläge und schweren Stunden für das kleine Bergdorf zwischen Arber und Osser längst gereicht, so der Priester, der an etliche unerwartete Sterbefälle erinnerte. Wolfgang Brandl identifizierte sich mit dem Trachtenverein und führte ihn mit Liebe und Herzblut. Für die Bevölkerung war die Todesnachricht überraschend. „Er selbst ist bereits mit deutlichen Hinweisen und Vorahnungen seine letzten Wege gegangen“, wusste der Seelsorger. Der tröstende Gedanke in der schweren Abschiedsstunde sei, dass ihn in der Welt Gottes ein Leben ohne Leid erwartet.

Geboren wurde Wolfgang Brandl am 27. Juni 1960 in Lohberg. Nach der Schulzeit hat er beim Autohaus Kopp in Thürnstein den Beruf des Kfz.-Mechanikers erlernt und wechselte dann 25 Jahre zum Landschafts- und Gartenbau Marchl in Lam, wo er sich viel Wissen über Garten und Natur angeeignet hat. In diese Zeit hinein fiel auch seine Hochzeit mit Petra Kopp. Das Eheversprechen gaben sie sich vor 33 Jahren am 13. April 1985 in Lohberg. Die beiden durften den beiden Söhnen Wolfgang und Tobias das Leben und ihre Liebe schenken. Seit drei Jahren war der Enkel Simon sein ganzer Stolz und Sonnenschein gewesen.

Beruflich war der „Hanara Gang“, wie ihn der Volksmund nannte, mittlerweile als Baumaschinenführer bei der Firma Rädlinger. Untrennbar mit seinem Namen verbunden war die Mitgliedschaft in etlichen Vereinen. „Meistens sah man ihn im Gewand des Trachtenvereins, zuletzt noch vor einigen Wochen beim Aufstellen des Maibaumes und Ende Mai bei der Maiandacht bei den Totenbrettern“, erinnerte sich der Geistliche. „Trotz der vielen Verpflichtungen hatte Wolfgang seinen Ruhepol in der Familie“, schilderte Pfarrer Ambros Trummer. Er hat sich gerne um Haus und Garten gekümmert. War eifriger Helfer und Berater an der Baustelle seines Sohnes Tobias und der Schwiegertochter Teresa. Sein Platz in seiner Familie, in der Gemeinde und bei den Vereinen bleibt leer. „Und bei der Maiandacht des Trachtenvereins im nächsten Jahr wird auch sein Name auf einem der Totenbretter stehen“.

Das Requiem umrahmte der Kirchenchor, die Gruppe Horizont widmete das Lied „Meine Zeit Herr leg ich getrost i deine Hände“. Die Blaskapelle führte den langen Trauerzug zum Familiengrab. Die Trachtler-Kameraden fungierten als Sargträger. Bürgermeister Franz Müller nahm im Namen der Gemeinde Lohberg Abschied. Das tiefe Mitgefühl galt den Angehörigen. „Die Nachricht von Wolfgangs Tod hat wie ein Blitz eingeschlagen“, erinnerte Franz Müller. Der Verstorbene liebte seine Heimat und hat sich viele Jahre ehrenamtlich für das schöne Fleckerl Erde zwischen Arber und Osser engagiert. Er war von 2002 bis 2014 überzeugtes und pflichtbewusstes Ratsmitglied, das sich uneigennützig dem Gemeinwohl widmete. Sein Herz schlug vor allem für die Vereine, ganz besonders für die „Enzianbuam“. Von 2008 bis 2014 übernahm er auch die Verantwortung als stellvertretender Bürgermeister. „Du warst für mich ein guter Wegbegleiter. Ich danke dir dafür“, so der Bürgermeister. Zurück bleibe die Erinnerung an einen besonderen Menschen.

Andreas Tax brachte die Trauer der Trachtler(innen) des Bayerischen Waldgaues der Heimat-, Kultur und Volkstrachtenvereine zum Ausdruck. Ein Trachtlerherz schlage nicht mehr. „Wolfgang Brandl wird jedoch auch in Zukunft immer in unseren Gedanken und Gesprächen mitten unter uns sein“, versprach der Gauvorstand. Wolfgang Brandl habe nie vergessen, wo seine seine Wurzeln sind. Er hat sich auf das Bodenständige konzentriert und den Gau damit unterstützt. „Ich und der gesamte Bayerische Waldgau können für deine geleistete Arbeit für den Erhalt unserer Waldheimat, die Sitten und Gebräuche nur Vergelts Gott sagen“, so Andreas Tax.

Den Nachruf der Enzianbuam formulierte Hermann Kaml. In der Trachtlerriege seines Heimatdorfes herrsche noch immer Fassungslosigkeit. „Wir stehen in diesem Kalenderjahr bereits zum vierten Male am Friedhof, und müssen einem Kameraden ins Grab schauen“, so Hermann Kaml. Ansonsten habe immer Wolfgang Brandl die Grabrede gehalten. „Der „Hanara Gang“ war das Gesicht unseres Vereins“, bestätigte der Redner. Er hat während seiner langjährigen Vorstandschaft den Trachtenverein geprägt, wie nur ganz wenige. Wolfgang Brandl kam schon als ganz junger Bursch zu den Trachtlern und er hat von Anfang an bei den Schuhplattlern und Tänzern mitgewirkt. 1985 hat er mit 25 Jahren für die Dauer von 16 Jahren die Aufgabe des Vortänzers übernommen. Als 2001 der langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende Helmut Dachs - ebenfalls erst im Alter von 60 Jahren – verstorben ist, gab ihm Wolfgang Brandl das Versprechen, den Trachtenverein weiterzuführen. Dieses Zugeständnis habe er bis zu seinem Tod gehalten. Das größte Augenmerk galt stets der Förderung der Kinder- und Jugendgruppen, die in seiner Ära florierten. „Wir haben ihm viel zu verdanken. Einer der Höhepunkte war das 75-jährige Gründungsjubiläum 2008 - ein wunderschönes Fest“, betonte Hermann Kaml. Es waren aber auch die Kleinigkeiten, die Wolfgang Brandl auszeichneten, nämlich Jahr für Jahr die gesamte Nacht alleine den Maibaum zu bewachen. Für solche Sachen war er sich nicht zu schade. „Er war ein wunderbarer Mensch mit einer unglaublichen Seelenruhe“, wusste Kaml zu schätzen. „Wenn eine Blechmusi spielte und sich auf der Gredbank noch ein Gsangl ergab, war er glücklich und zufrieden. Dein Name wird immer mit den Enzianbuam verbunden sein“, schloss der Redner und legte wie seine Vorredner einen Kranz am offenen Grabe nieder.

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