Wundervolle Welt der Kräuter

02.08.2018 19:14 von Hans Menzinger

– Eva Pöschl war die versierte Fachfrau dafür

Wildpflanzen haben die Menschheit bereits über viele Jahrtausende ernährt. Essbare Exemplare sind in großer Auswahl in der Natur frei verfügbar, sie bereichern den Speisezettel und zeichnen sich durch ihren hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen aus. Die Mitarbeiterbildung der Jugendleiter des Bayerischen Waldgaues drehte sich in diesem Jahr um die wunderbare, vielfältige und große Welt der Kräuter. Die Gaujugendvorstandschaft hatte ihre Vereinsjugendleiter dazu ins Pfarrheim nach Lam eingeladen. Mit der Durchführung des Fortbildungstages war der örtliche Trachtenverein „D’Ossabuam“ Lam betraut. Als Gastgeber hieß Vorsitzender Xaver Greiner die 34 Jugendleiterinnen aus 20 Gauvereinen willkommen. Er freute sich, dass diese Fortbildung in Lam stattfinden konnte und dankte gleichzeitig seinen vielen Helferinnen aus dem Verein. Greiners Wunsch war, dass die Teilnehmerinnen vom heutigen Tag viel Wissen für sich selbst und die Vereinsarbeit mitnehmen können. Auch Gaujugendreferent Marco Peschl entbot seinen Willkommensgruß und kündigte einen äußerst interessanten Tag an. Als kundige Referentin konnte man Eva Pöschl (Kassier der „Ossabuam“ und versierte Küchenkräuterexpertin) gewinnen. In der rund zweistündigen Führung rund um Lam erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes über die „Delikatessen am Wegesrand“, die vor der Haustür und auf der Wiese wachsen. Sie lernten dabei viele wunderschöne und köstliche Wildpflanzen kennen, erfuhren etwas über ihre Geschichte, Anwendung, Heilwirkung und deren Verwendung in der Kräuterküche und Homöopathie. Was ist ein Breitwegerich? Nur wenige wissen, dass er ein bewährtes Hausmittel gegen Blasen vom Wandern ist. Ein Holunderblatt zieht den Eiter aus der Wunde und Lavendel-Kauen kann beruhigend sein. Die Sinne wurden geschärft für Pflanzen wie den Beinwell (bei Gelenkbeschwerden), Ehrenpreis (stoffwechselanregend), Frauenmantel (bei Frauenleiden), Gänseblümchen (kleine Schwester der Arnika), Giersch (bei Verbrennungen und Insektenstichen), Gundermann (Magen-Darmkatarrh), Kleines Habichtskraut (essbare Dekoration für Salate, Aufstriche), Hirtentäschel (zur Blutstillung), Huflattich (bei trockenem Reizhusten), Wiesenlabkraut (zur Anregung der Nierentätigkeit) und noch viele weitere Kräuter mehr. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Kräuter essbar sind und deren Blüten, Stängel und Blätter vielfältig verwendet werden können. Wildkräuter enthalten bis zu 23 Mal mehr Vitamine als klassisches Kulturgemüse und bis zu 60 000 sekundäre Pflanzenstoffe und sind gut für das Immunsystem. Fasziniert vom Artenreichtum der Natur meinte ein Teilnehmer am Ende des interessanten Rundgangs: „Normal schaut man gar nicht hin auf diese unscheinbaren Gräser“. Wieder zurück im Pfarrheim führte Eva Pöschl noch vor, wie man ein leckeres Brennnessel-Pesto mit Pinienkernen und Pecorino-Käse herstellt. Das Mittagessen aus der Wildkräuter-Küche (von den Vereinsdamen unter Federführung von Eva Pöschl gekocht) beinhaltete eine Brennnesselsuppe, Schwammerbrej mit Speckpfannkuchen und ein Vanille-Lavendel-Eis mit Heidelbeeren. Im umfangreichen Skript fanden sich zahlreiche Kräuterbeschreibungen und Rezepte zum Nachkochen für Zuhause. Am Nachmittag widmete man sich dann dem kirchlichen Hintergrund des Festes „Mariä Himmelfahrt“ (15. August), das am Beginn der Getreidereife und Hochblüte der Natur liegt. In dieser Zeit gesammelte Heilkräuter enthalten besonders viele Inhaltsstoffe. Deshalb wurden die Kräuter für den Winter in dieser Zeit gesammelt, um die Familie gesund durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Im Hinblick auf den bevorstehenden „Großen Frauentag“ hatte die Referentin ein großes Angebot an farbenprächtigen Kräutern, Rosen, Blumen und Getreideähren mitgebracht, aus denen sich jede Teilnehmerin ihren eigenen Kräuterbuschen binden durfte. Die Mitte bildete traditionell oftmals die Königskerze, auch Marienkerze genannt, umgeben von zahlreichen anderen Kräutern. Beim Binden wurde auch darauf geachtet, die Symbolik für sieben (Anzahl der Schöpfungstage), neun (3x3 für die Heilige Dreifaltigkeit), 12 oder 24 Kräuter (Zahl der Apostel oder Stämme Israels) einzuhalten. Mit einem gesunden Präsentkorb bedankte sich Gaujugendreferent Marco Peschl bei der Referentin für ihre Mühen und den äußerst interessanten Tag. Bevor man wieder auseinanderging wurden noch einige Termine abgeglichen und Wünsche für die nächste Mitarbeiterbildung geäußert. Als Termin wurde der 19. oder 26. Oktober 2019 ins Auge gefasst. (krp)

Wissenswertes: - Heilkräuter wurden schon in vorchristlicher Zeit den Göttern geopfert als Dank für deren Schutz und für die Heilkraft der Kräuter. – Als die christlichen Missionare begannen, die Menschen zu bekehren, wurde die Kräuterweihe verboten, sie galt als Hexenwerk. – Das Volk jedoch missachtete dieses Gebot und die Kirche fand daraufhin einen schlauen Kompromiss: Der 15. August wurde Maria geweiht und ihrem Aufstieg in den Himmel. – Einer frommen Legende nach haben die Jünger Jesu, als sie das Grab Mariens öffneten, darin nicht den Leichnam, sondern Rosenblüten, Lilien und Kräuter gefunden. – Daraus entwickelte sich der Brauch, Kräuter an Mariä Himmelfahrt zu weihen. – Der Kräuterbuschen war die „Apotheke im Winter“ für Mensch und Vieh auf dem Hof. – Wenn ein Gewitter herangezogen kam, wurden einige Pflanzen aus dem Kräuterbuschen auf den Ofen gestreut oder ins Feuer geworfen. – Den Toten legte man ein Kreuz aus geweihten Kräutern in den Sarg. – In den Kräuterstrauß muss rein, Maria zur Ehr: Ein Kraut für Liebe, Frieden und einen guten Schlaf. – Zu den sieben Hauptkräutern zählen: Wermut, Kamille, Johanneskraut, Salbei, Königskerze, Spitzwegerich und Arnika.

Bildunterschrift zu ko-krp-MAB Waldgau Kräuter in Lam 2018-1: Mit Kräuterexpertin Eva Pöschl (rechts) ging es durch die Fluren rund um Lam.

Bildunterschrift zu ko-krp-MAB Waldgau Kräuter in Lam 2018-2: Ein Kräuterbuschen mit der Königskerze als Mitte.

Bildunterschrift zu ko-krp-MAB Waldgau Kräuter in Lam 2018-3: Beim Kräuterbuschen-Binden konnte jede Teilnehmerin (rechts Gaujugendreferent Marco Peschl) ihrer Kreativität Raum geben.

Bildunterschrift zu ko-krp-MAB Waldgau Kräuter in Lam 2018-4: Unter Anleitung von Eva Pöschl gelang das Tun beim Kräuterbuschen-Binden bestens.

Bildunterschrift zu ko-krp-MAB Waldgau Kräuter in Lam 2018-5: Am Ende des Tages hatte jede(r) Teilnehmer(in) einen fertigen Kräuterbuschen für die Weihe am 15. August zum Mitnehmen fertig.

Bildunterschrift zu ko-krp-MAB Waldgau Kräuter in Lam 2018-6: Gaujugendreferent Marco Peschl dankte Kräuterexpertin Eva Pöschl für den überaus interessant gestalteten Tag.

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